Die Ritter der Erde
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... "Zum Sardock mit diesen duranischen Piraten !« Ich riss meinen Raumjäger aus dem Angriffskurs auf das Führungsschiff der kleinen Plündererflotte und entging damit knapp einem wahren Hagel aus Laserblitzen, Desintegratorstrahlen und anderen unerfreulichen Dingen. Diese konzentrierten sich genau an der Stelle, wo sich mein Raumjäger befunden hätte, wäre ich nicht vom Kurs abgewichen. Die Tsumitar war der beste Jäger seiner Klasse und hatte stabile Schutzschirme. Dem Energieinferno aber, welches sich jetzt knapp hinter meinem Schiff ausbreitete, hätten sie nichts entgegenzusetzen gehabt. Meiner Karriere als Pilot der imperialen Raummarine wäre so ein abruptes Ende bereitet worden. Während ich auf einem dreidimensionalen Ausweichkurs durchs All schoss, versuchte ich das Führungsschiff der Piratenflotte wieder vor die Nase meines Jägers zu bekommen. Da meldete sich die Bordintelligenz der Tsumitar zu Wort: »Ich empfehle dringend Unterstützung anzufordern, Kämpfer vierter Klasse, Jairoum tan Lock !« Einem plötzlich mitten im Raum vor mir stehenden Feuerball einer Trinitbombenexplosion ausweichend, zischte ich eine an die KI gerichtete Verwünschung und fragte dann: »Oh, du oberschlaues Raschnar ! Kannst du mir auch verraten, wo die Unterstützung herkommen soll ?« Sämtliche Jägerpiloten meiner Angriffsstaffel hatten momentan genug damit zu tun ihre eigene Haut zu retten. Unser mächtiges Mutterschiff, der imperiale Novaraumer Sternenbestie, wurde zur Zeit von einer zusammengewürfelten Schar kleiner und mittlerer Kampfraumer der Piraten erfolgreich daran gehindert, sich dem großen Führungsschiff der Piratenflotte schnell zu nähern. Nicht, dass die Piraten einem Novaraumer gefährlich werden könnten ! Aber für eine Weile aufhalten konnten sie die Bestie schon. Während ich mit der Tsumitar einen Kurztrip durch den Hyperraum machte und auf der gegenüberliegenden Seite des Kampfgetümmels wieder im Normalraum erschien, schaltete ich die Saitar-10-Rakete zum Abschuss frei. Dies war die weitreichendste Waffe der Tsumitar, von der aufgrund ihrer Größe nur eine an Bord mitgeführt werden konnte. Diese Rakete verfügte über eine eigene programmierbare Intelligenz und eine schwere Trinitladung. »Und ab mit dir ! Richte schöne Grüße von mir aus.« Ich hatte die Saitar-10 auf das Führungsschiff des Piratenhaufens programmiert und betätigte den Abschussknopf am Steuerungsstick meines Jägers. Nicht weiter auf die Rakete achtend, machte ich mit der Tsumitar einen weiteren Kurzsprint durch den Hyperraum. Jetzt befand ich mich wieder in unmittelbarer Nähe des großen Piratenschiffs. Und vor dem sich mit hoher Unterlichtgeschwindigkeit auf sein Ziel zu bewegenden Flugkörper ! Sofort ließ ich meinen Jäger in wilden Ausweichmanövern durch das All schießen und feuerte mit allen an Bord befindlichen Strahlwaffen um mich. Ich achtete dabei nicht im Geringsten darauf, ob ich einen Treffer landen konnte. Vielmehr richtete ich meine ganze Aufmerksamkeit darauf, selbst nicht getroffen zu werden und ziemlich genau zwischen dem Piratenraumer und der herannahenden Saitar-10 zu bleiben. Ich hoffte natürlich, dass die Abwehr des Schiffes durch dieses Manöver von der Rakete so lange nichts mitbekommen würde bis es zu spät war. Der Timer gab ein überlautes »Ding« von sich und ich riss die Tsumitar, indem ich voll beschleunigte, vom Piratenschiff weg. Aus den Augenwinkeln sah ich einen dunklen Schatten oberhalb des Kabinendaches der Tsumitar an mir vorbeihuschen. Die Saitar-10 war da ! Umgehend brachte ich meinen Jäger wieder auf Angriffskurs direkt hinter die auf das feindliche Schiff zu rasende Rakete. Da war es auch schon soweit ! Die Saitar-10 traf auf den Schutzschirm des Piratenraumers, der von der Trinitladung tatsächlich für einen kurzen Moment aufgerissen wurde. Mit allem, was mir an weiteren Waffen an Bord der Tsumitar zur Verfügung stand, feuerte ich durch den Explosionsherd der Rakete und das klaffende Loch im äußeren Schutzschirm des Piratenraumers hindurch. Schon fürchtete ich, der zweite, innere Schutzschirm des Schiffes würde sich als widerstandsfähig genug erweisen, als auch dieser einen Riss bekam und die Offensivenergien der Tsumitar die Außenhaut des Piratenraumers perforierten. Dann stabilisierte sich der äußere Schutzschirm um den großen Raumer und ich konnte hier nichts mehr ausrichten. Daher drehte ich ab, um die Auswirkungen meines Angriffs von einer etwas sicheren Stelle aus zu betrachten. Einige Millionen Kadres von meiner vorherigen Position entfernt und außer Reichweite der Piraten verließ die Tsumitar wieder den Hyperraum. Ich bemerkte zufrieden, dass das größte Schiff der Piraten seine Feueraktivitäten fast eingestellt hatte. Nur gelegentlich zuckte noch ein Laserblitz oder eine Desintegratorsalve von seiner Hülle aus ins All, in dem vergeblichen Versuch, meine Staffelkameraden auf Distanz zu halten. ...

Tragik!

... »Ich begrüße Sie auf der Brücke der Sternenbestie, Commander tan Lock. Nehmen Sie bitte Platz !« Mit diesen Worten wies die Hologestalt auf den Kommandeurssessel. Ich ließ mich verblüfft über die warme, synthetische Stimme in dem behaglichen Möbelstück nieder. Als mir einen Gedankengang später aufging, was ich getan hatte, schoss ich wie von einem Nabuk gestochen wieder von der Sitzgelegenheit hoch und blickte fassungslos die Hologestalt an. Diese festigte immer mehr ihre Gestalt, wurde undurchsichtig und war gleich darauf nicht mehr von einer echten tellurischen Frau zu unterscheiden. »Was... ? Was soll das ? Wo ist die Besatzung hin. Wo ist der Kommodore ? Und wer oder was, in aller Götter Namen, bist du ?« »Alle Ihre Fragen sollen beantwortet werden, Jairoum. Aber bitte !« Sie wies wieder auf den Sitz des Kommandanten hin. »Setzen Sie sich ruhig hin. Es gibt eine ziemlich außergewöhnliche Geschichte zu erzählen. Und glauben Sie mir, es ist wirklich besser, Sie hören sich diese nicht im Stehen an !« Da mir sowieso immer mulmiger wurde und Kommodore Schotock offensichtlich nicht mehr erscheinen würde, ging ich auf den Vorschlag ein und ließ mich wieder im Sessel des Kommandanten nieder. Die Hologestalt schritt, sie schritt wirklich, mit auf dem Rücken verschränkten Händen auf den großen Zentralbildschirm zu und schien in den dort abgebildeten, sternenübersäten Raum hinauszuschauen. Dann begann sie wieder mit dieser warmen und herzlichen Stimme zu sprechen. »Das, was ich hier und jetzt wiedergebe, basiert hauptsächlich auf Schlussfolgerungen, Interpretationen und Analysen. Diese wiederum konnten durch Auswertung von automatisch erfolgten Aufzeichnungen vor, während und nach der Katastrophe erstellt werden. Als das von den Duraniern abgeschossene Energiebündel die nahe Sonne traf, löste es in dieser offenbar eine Reaktionskette aus, die sie schließlich zur Explosion brachte. Allerdings scheint es sich dabei nicht um eine normale Stellarexplosion gehandelt zu haben. Vielmehr wurden dabei Energien völlig unbekannter Natur freigesetzt, die im bekannten Kosmos noch niemals zuvor beobachtet werden konnten.« Das Hologramm wandte sich mir zu und schien mir direkt in die Augen zu schauen, während ich vor Spannung fast explodierte. »Im Zusammenwirken mit den Energien, welche die Sternenbestie erzeugte, um vor der zu erwartenden Vernichtung in den Hyperraum zu entkommen, ergaben sich verschiedene Effekte. Zum einen wirkten unbekannte Kräfte direkt auf das Hyperraummanöver des Schiffes ein. Ein unkontrollierter Sprung war die Folge, der die Sternenbestie in einen völlig unbekannten Teil des Universums verschlagen hat. Es ist keineswegs sicher, dass dieses noch das Universum ist, in welchem das Schiff in den Hyperraum eintauchte ! Zum anderen zerstörten die unbekannten Energien fast alle energetischen Anlagen an Bord des Schiffes, beschädigten in geringem Maß den Schiffskörper und verursachten einen irreparablen Defekt an der zentralen KI. Die Sternenbestie war zu diesem Zeitpunkt ein besseres Wrack !« Während ich weiter fassungslos lauschte, wandte sich die Projektion wieder dem großen Panoramabildschirm mit dem darauf abgebildeten Teil des Alls zu, das wie ich eben vernommen hatte, vielleicht nicht einmal mehr »unser All« war. Doch die unglaubliche Geschichte war noch nicht zu Ende. »Die wohl tragischste Auswirkung dieser ungewöhnlichen Kombination von Energien, war jedoch die Auslöschung allen Lebens biologischen Ursprungs auf diesem Raumschiff. Fast die gesamte Besatzung der Sternenbestie und selbst die Tiere und Pflanzen an Bord, hörten von einem Augenblick zum anderen auf zu existieren mit zwei Ausnahmen !« Wie betäubt und völlig erstarrt in meinem Sessel sitzend, nahm ich am Rande meines Bewusstseins wahr, wie die Hologestalt wieder auf mich zuschritt und sagte: »Die eine sitzt hier vor mir als einziger Überlebender der tellurischen Besatzung der Sternenbestie und bei der anderen handelt es sich um eine künstlich gezüchtete Zellansammlung, die sich in einem Labortrakt des Schiffes befunden hat.« ...

Dramatik!

... »Na schön ! Dann wollen wir mal. Start aller automatisierten Jäger ! Diese sollen eine Position an der gegenüberliegenden Flanke der gegnerischen Flotte beziehen und auf unser Signal hin mit dem Angriff beginnen, bis dahin aber außer Reichweite der gegnerischen Waffensysteme bleiben. Die Tarnschirme abschalten und folgende Nachricht in allen bekannten Sprachen und auf allen bekannten Frequenzen absenden: Hier ist der tellurische Novaraumer Sternenbestie. An die Schiffe der angreifenden Flotte. Stellen Sie sofort alle Kampfhandlungen gegen die unterlegene Partei ein ! Sie erhalten eine angemessene Zeitspanne um diese Botschaft zu übersetzen. Sollten Sie Ihren Angriff fortsetzen, tragen Sie die Konsequenzen.« Die Sternenbestie enttarnte sich und wurde damit für ihre Umgebung weithin sichtbar, wie sie sich langsam auf die schwarzen Raumer zu bewegte. Die Nachricht wurde gesendet und das Warten auf eine Reaktion begann. Doch nachdem eine mir endlos erscheinende Zeitspanne verstrichen war und Talli meinte, dass jetzt selbst die rückständigste Übersetzungstechnologie den von uns gesendeten Text verarbeitet haben sollte, setzten die Schiffe der schwarzen Flotte ihren Angriff unvermindert fort. »Talli ! Wir schicken denen da drüben eine letzte Warnung. Eine Salve aus den Strahlgeschützen in den Kurs der schwarzen Flotte. Noch kein Zielfeuer !« Ein leises Vibrieren durchlief den Rumpf der Sternenbestie, als die Salve die Mündungen der Strahlenkanonen verließ. Genau zwischen dem Pulk der zurückweichenden Verteidigerschiffe und der Meute der angreifenden Raumer hinter ihren schwarzen Schutzsphären zuckte das Energieinferno hindurch. Jetzt endlich zeigten sich Reaktionen. Die eine Hälfte der schwarzen Flotte setzte ihren Angriff auf das Sonnensystem und die Verteidiger fort. Die andere Hälfte nahm Kurs auf die Sternenbestie. Während mir der Mund völlig austrocknete, sagte ich zu Talli: »Alle Energie in die Schutzschirme. Sie sollen den ersten Schuss haben. Aber dann geben wir ihnen alles, was die Bestie zu bieten hat !« Kaum waren die feindlichen Schiffe auf Reichweite ihrer Waffen heran, da brach in den Schutzschirmen der Sternenbestie die Hölle los. »Schutzschirm eins durchschlagen, Schirm zwei Belastung bei fünfundachtzig Prozent mit steigender Tendenz, innerer Schutzschirm noch nicht belastet.« Das kam von Talli... und das kam von mir: »Feuer !« ...

... Diese Angelegenheit war also geregelt. Nun versuchte ich vorsichtig, dem Torwächter weitere Informationen zu entlocken. »Galor, informiere uns bitte über die nächsten Schritte unseres Besuches beim Behüter.« Der gesichtslose Kopf wandte sich mir zu, als es antwortete: »Eure Schiffe werden sich dem Zentrumskern des Behüters nähern. Danach ist es dem Träger des Schlüssels gestattet mit neun Begleitern vor das Innerste zu treten. Dort empfängt der Träger des Schlüssels das Allauge und entscheidet über die Zukunft dieser Galaxie.« »Der Träger des Schlüssels tut was ?«, ächzte ich entsetzt und fühlte wie sich die ungläubigen Blicke der Menschen auf mich richteten. Ungerührt wiederholte der Torwächter: »Der Träger des Schlüssels entscheidet über die Zukunft dieser Galaxie.« Ich saß wie versteinert in meinem Sessel. Eine unbeschreibliche Last schien sich auf mich zu legen und ließ mich kaum noch atmen. Doch dann schnaubte ich wütend, unbändige Wut durchströmte mich und damit auch neue Energie. Was, zum Sardock, hatte ich dem Universum denn eigentlich angetan, das mir dies alles widerfuhr ? Zuerst der Verlust meiner Welt, meiner Heimat und meiner Freunde. Dann musste ich mich mit irgendwelchen Finsterlingen herumschlagen, die wie damals diese verdammten Duranier noch nicht einmal genau zu identifizieren waren. Schließlich wurde ich in die Auseinandersetzung zweier Mächte verwickelt, die nicht nur dieses eine, sondern scheinbar unzählige Universen durchdrangen. Und nun dies, ich sollte über das Schicksal einer ganzen Galaxie entscheiden. Und das, ohne zu wissen, womit ich diese zweifelhafte Ehre verdient hatte. Warum traf es mich ? ! ! ! Nur mit Mühe gelang es mir, meinen Zorn und meine Wut zu unterdrücken. Mehrmals atmete ich tief durch. Dann lehnte ich meinen Körper äußerlich ruhig wirkend in meinem Kommandositz zurück und versuchte, so kühl wie möglich zu klingen, als ich Galor fragte: »Wie soll der Transfer zum Behüter erfolgen ?« ...

Fantasy!

... Mein Name ist Dujan von den Ajarden. Aber dies ist nicht mehr von Bedeutung, denn heute ist der Tag meines Abschieds von meiner Heimat. Und so werde ich mich fortan nennen dürfen, wie nur ganz wenige meines Volkes: Abgesandter ! Dieser Titel ist Name, Bezeichnung und Sinn meiner künftigen Existenz zugleich. Es ist die höchste Ehre, die einem Ajarden zuteil werden kann ! Die Ajarden ! Mein Volk ist die älteste überlebende Art in unserem erkaltenden Universum, das wir seit Urzeiten »Ndschart dar Almensis« nennen, was soviel bedeutet wie: »Sphäre des Untergangs«. Schon vor Äonen stellten Wissenschaftler meines Volkes fest, dass wir in einem sterbenden Universum existierten. Der Energiehaushalt unseres Universums befand sich bereits damals in einem erschreckenden Zustand. Nicht nur einzelne Sonnen, nein, ganze Galaxien waren erkaltet oder erloschen ! Die Prozesse, die zum Entstehen neuer Sterne, Sonnensysteme oder sogar neuer Galaxien führten, waren fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Und auch wenn meinem Volk damals schon bewusst war, dass es wahrscheinlich noch Millionen von Planetenjahren dauern würde, bis der finale Kollaps das Licht dieses Universums ganz verlöschen lassen würde, so war dies doch der Zeitpunkt, an welchem sich ein grundlegender Geisteswandel bei fast jedem Mitglied meiner Art zu vollziehen begann. Wir hatten weite Teile dieses Universums erobert und beherrschten diese. Von unserer inzwischen längst zerstörten Heimatwelt aus waren die ersten Ajarden hinaus ins All gezogen, wo sie sofort damit begonnen hatten, andere Völker und Welten zu erobern. In den Genen unserer frühesten Vorfahren jener robusten Reptilienabkömmlinge war der Drang zur Ausbreitung und Vermehrung übermächtig. Die unglaubliche Fruchtbarkeit der damaligen Ajarden machte den Schritt ins All und in andere Welten umso notwendiger. Wollten sie sich nicht gegeneinander wenden, so mussten sie sich den Raum zum Leben dort nehmen, wo immer dies möglich war. Vor allem in den ersten Jahrhunderten unseres Aufbruchs in den Kosmos leisteten die Ajarden einen hohen Blutzoll. Auch unsere Heimatwelt verging beim Gegenangriff einer ebenbürtigen Spezies in einem atomaren Feuersturm. Doch da war es bereits zu spät für unsere Widersacher. Zu viele Ajarden hatten bereits andere Welten überschwemmt. Weiter und immer weiter verbreitete sich meine Art. Schließlich lebten in unserer Heimatgalaxis nur noch wenige andere intelligente Spezies. Hauptsächlich in den Welten, deren Umweltbedingungen für die Ajarden unverträglich waren. Der nächste Schritt war nur zu logisch. Wir ließen die Grenzen unserer Galaxie hinter uns. Technik und Wissenschaft waren herangereift und ließen uns nach fernen Sternensystemen greifen. Selbstverständlich stießen wir auch in anderen Galaxien auf Widerstand. Doch wo auch immer der Gegner übermächtig schien, wurde er über kurz oder lang überrannt von Ajarden. Der Nachschub an eroberungsfreudigem Leben aus den überbevölkerten Welten unserer eigenen Galaxie war einfach zu groß. Geburtenkontrolle oder gar die freiwillige Beschränkung der eigenen Vermehrung waren nie als mögliche regulierende Maßnahmen in Betracht gezogen worden. Gerade in jenen Zeiten galt die Größe der eigenen Nachkommenschaft als höchstes Gut. Religiöse Aspekte spielten dabei eine weitere Rolle. So ging es weiter und weiter. Während Galaxie nach Galaxie von ajardischem Leben vereinnahmt wurde, stießen wir auf die ersten Cluster verloschener Sonnen, erkalteter Planetensysteme. Für uns stellten diese Konzentrationen von offenbar vor ihrer Zeit verfallenen Systemen etwas Neues dar. Alsbald aber wurde dieses Novum zur Regel. Schließlich stießen wir auf eine komplette Galaxie in der Todesstarre. Das gesamte Sternensystem war erkaltet. Nicht eine Sonne glomm mehr in jenem Bereich des Alls. Eine Ungeheuerlichkeit ! Normalerweise führten das Verlöschen oder die Explosion von Sternen immer wieder zur Entstehung neuer Sonnen. Von den untergehenden Sternen ins All hinausgeschleuderte Materie und Energie ballte sich wieder zusammen. Ein Funke zündete. Ein neues Licht im Universum wurde geboren. Es gab einen Kreislauf von Vergehen und Entstehen. Nicht so jedoch in jenen Bereichen des Weltraums, in die wir nun immer häufiger vorstießen. Keine neuen Sterne wurden geboren. Singularitäten als schwarze Löcher im All bekannt waren nicht vorhanden. Alles erkaltete und starb. Selbst die Bezeichnung »lebensfeindlich« beschrieb diese Gebiete nur unzureichend. Wir aber waren das Leben ! Nichts konnte unserer Natur feindlicher oder gegensätzlicher gegenüberstehen. So begannen wir das Phänomen zu erforschen. Schließlich der Schock ! Wir erlangten Gewissheit darüber, dass der Energiehaushalt unseres Universums gestört war. Die Folge hieraus schien unabwendbar. Weit vor ihrer Zeit würden nicht nur immer mehr Sonnen und ganze Sternensysteme verlöschen unser ganzes Universum war dabei zu erkalten. Das war der Wendepunkt ! ...

Abenteuer!

... »Shuttle Future und Terra, hier ist die Knight. Commander Jack Robinson spricht. Mei Ling und Andrej, hört ihr mich ?« »Einwandfrei, Jack !« »Die Verbindung ist gut, Commander Robinson.« Trotz unserer verzweifelten Lage musste ich grinsen. Unsere mangelnde Funkdisziplin würde dem Chef von Mission- Command, John Ritterbush, dort unten auf der Erde einmal mehr die Zornesröte ins Gesicht treiben. Sei es drum ! Wir, die Besatzungsmitglieder der drei Shuttles auf dieser Mission, hatten schon vor längerem beschlossen, unsere militärischen Bezeichnungen und Titel wegzulassen und uns auch beim Funkverkehr keinen Beschränkungen mehr zu unterwerfen. In ein paar Stunden waren wir entweder Helden oder was viel wahrscheinlicher war tot ! In beiden Fällen würde sich niemand mehr um solche Kleinigkeiten scheren. So waren für mich der Major der chinesischen Volksarmee »Ling« und der russische Fliegeroberst »Andrej Kosanov« einfach zu Mei Ling und Andrej geworden und mein »Colonel« gehörte ebenso der Vergangenheit an. Wir kannten uns einfach schon zu lange, da wir seit Jahren zusammen für den Einsatz auf diesen neuen Shuttles trainiert hatten. Und dann diese kurzfristig angesetzte Todesmission nach der viel zu späten Entdeckung des Asteroiden mit Kurs auf die Erde ! Natürlich hatten wir uns alle freiwillig gemeldet. Aber wir waren uns unserer Chancen nur zu bewusst. Doch wir mussten es einfach versuchen. Vielleicht hatten wir ja das unwahrscheinliche Glück, das wir benötigten. »Also gut, Leute. Es ist soweit ! Unser heimtückischer Freund hier draußen kommt in Schussweite. Bereitet das Aussetzen eurer Raketen vor. Ihr wisst, wir haben nur diesen einen Versuch. Die Ladungen sollen den Asteroiden möglichst alle auf einmal treffen. Umschaltung der Lenkkontrollen für die Missiles auf die Knight vorbereiten. Wir haben unseren Laser und die Abwehrgeschosse aktiviert. Hoffen wir also, dass wir wirklich alle in unsere Flugbahn wirbelnden Teile der Trümmerwolke aus dem Weg räumen können. Andernfalls wird der uns folgende Schwarm eurer Raketen keine Chance haben, ins Ziel zu gelangen. Wenn wir durchkommen und noch dazu in der Lage sind, werden wir plangemäß das Einschlaggebiet mit dem Laser vorbereiten und Baker 9 ein wenig anbohren. Dann machen wir, dass wir wegkommen.« »Vorbereitungen abgeschlossen ! Doswidanje, Kommandant Robinson !« »Machs gut, Jack ! Wir sind abschussbereit !« »Ok Leute, viel Glück uns allen und dem Rest der Menschheit !« Ich schaltete auf Bordcom um, drehte mich meinen beiden Waffenleitoffizieren zu und grinste sarkastisch: »Das waren dann wohl die berühmten letzten Worte für die Nachwelt. Seid ihr bereit zu unserem Höllenritt ?« Oberleutnant Thomas Winter, Tommy, unser deutsches Crewmitglied, rollte mit den Augen und grinste gequält zurück: »Sieh du nur zu, dass du schön ruhig fliegst. Wir kümmern uns um die Staubkörner, die uns an den Kragen wollen, nicht wahr, Barry ?« RAF-System-Offizier, Barry Longsmith, einer der wortkargsten Männer, die ich je kennengelernt hatte, warf uns beiden skeptische Blicke zu und knurrte: »Ziemlich viele Staubkörner, was ?« Da hatte er Recht ! Bei dem, was sich da auf dem Radar abspielte, sträubten sich mir die Nackenhaare. Um Baker 9 herum wirbelte eine Unzahl kleiner, mittlerer und größerer Trümmerstücke wie jene, die bereits auf der Erde eingeschlagen waren und dort für erhebliche Verwüstungen gesorgt hatten. Um die kleinen und kleinsten konnten wir uns nicht kümmern. Die Außenhaut des Shuttles sowie der Raketen sollte diesen Teilen auch standhalten. Sollte ! Die mittelgroßen und schwereren Brocken mussten wir jedoch aus dem Weg räumen. Sonst würden weder wir, noch die von unseren beiden Schwestershuttles abgefeuerten Atomraketen Baker 9 erreichen. ...

Unglaubliche Begegnungen!

... Voraus in unserem Blickbereich materialisierte scheinbar aus dem Nichts heraus ein weiteres fremdes Schiff. Doch mein Hirn weigerte sich einige Sekunden lang, diese Ungeheuerlichkeit als Raumschiff zu begreifen. Ich sah auf die Radaranzeigen. Entfernung: Vier Kilometer ! Doch das, was dort vor uns im Raum schwebte, füllte unseren Sichtbereich so überdimensional aus, dass wir uns vorkommen mussten wie Fliegen, die sich einem ins Gigantische vergrößerten Adler gegenübersahen. Adler ! Dieser Begriff kam mir wie von selbst in den Sinn. Das riesige Raumschiff und um was sollte es sich sonst handeln ? erinnerte mit seinen eleganten Formen an diesen majestätischen König der Lüfte. Neben mir hörte ich ein Ächzen. Selbst der abgebrühte Haudegen Barry rang sichtlich mit seiner Fassung. Tommy hatte einen seltsam träumerischen Blick bekommen und starrte durch die Cockpitverglasung. Nun, sie mussten selbst damit klar kommen. Ich hatte meine eigenen Schwierigkeiten das Geschehen zu begreifen. ...

... Nachdem ich geendet hatte, setzte Talli sofort zu einem Protest an: »Commander ! Ich garantiere, dass an Bord des Schiffes...« Weiter kam Talli nicht mehr, denn da geschah das Unglaubliche. Eine kugelrunde Ballung knisternder Energie erschien übergangslos im weiten Raum unter der Observatoriumskuppel. Der ganze Raum war in grelles, bläuliches bis weißes Licht getaucht. Einzelne Ausläufer zuckten von der Kugel weg und verloschen wieder. Dann sank die Energiekugel zu uns herab und verharrte etwa in Augenhöhe. Im gleichen Moment drang eine klingende Stimme in mein und wohl auch das Bewusstsein des Menschen. Selbst Talli schien die Stimme wahrzunehmen. »Habt keine Furcht ! Der Abgesandte grüßt euch. Wir alle sind Suchende. Und Suchende verbindet unendlich viel. Zu gegebener Zeit werden wir uns wiedersehen. Dann werdet ihr mehr verstehen !« So schnell wie der Spuk begonnen hatte, war er auch wieder verschwunden. ...

... Und schließlich ehe ich es richtig realisieren konnte führte der Weg durch die Zentren mehrerer Galaxien hindurch und durch riesige schwarze Löcher in ihnen. Bevor ich mich noch darüber wundern konnte, dass es mich noch gab und ich das Durchdringen dieser extremen Raumphänomene überstanden hatte, schwoll der Strang vor mir dermaßen an, dass ich meine Geschwindigkeit abrupt verringern musste. Während ich meinen Multisinn bisher auf den Strang selbst konzentriert und stets nur soweit vorausgeschickt hatte, dass ich dem schließlich verschlungenen Pfad und seinen Windungen gerade rechtzeitig folgen konnte, warf ich jetzt einen Blick in die Ferne und stoppte meinen Flug sofort völlig ab. Was sich da vor mir abspielte, war ebenso faszinierend wie erschreckend. Zwei unglaubliche Energieballungen, von der Größe riesiger Galaxien, standen sich vor mir einander gegenüber. Beide strahlten etwas extrem Grelles aus. Die eine, in die der Strang mündete, dem ich bis hier gefolgt war, war gleißend hell. Die andere nahm mein Multisinn als »strahlende Dunkelheit« wahr. Von beiden Ballungen führten noch mehrere solcher Stränge weg wie der, dem ich gefolgt war. Jeweils von gleicher Prägung wie die Energieballungen selbst, denen sie entstammten. Mal verlosch der eine Strang, dann zuckte an anderer Stelle wie ein Blitz ein anderer Strang aus einer der Ballungen hervor und verschwand in die Unendlichkeit. Außerdem kam es vor, dass aus allen möglichen Richtungen Blitze, ähnlich den Strängen, heranzuckten und in die Energieballungen einschlugen. Ich nahm all dies in einem winzigen Augenblick wahr und sah gerade noch, dass zwischen den Energieballungen ein starker Energieaustausch zu herrschen schien, da zwischen ihnen ein wahres Inferno von Blitzen hin und her zuckte. Da hörte ich in meinem Geist eine mächtige Stimme erklingen, die in meiner Heimatsprache sagte: »Zu früh ! Viel zu früh !« Im nächsten Moment zuckten von beiden Ballungen je ein Blitz oder Strang auf mich zu. Bevor ich mich auch nur annähernd in Bewegung setzen konnte, war der helle Blitz da, direkt gefolgt von seiner dunklen Entsprechung. Ich schloss gerade noch meinen Multisinn und kapselte mich so gut es ging von meiner Umgebung ab, da versank ich im Chaos. Schließlich kapitulierte mein Geist vor dem, was doch noch auf ihn eindrang und mein Bewusstsein entschwand. ...

... Wieder dieses infantile Gelächter und wir standen auf grünmarmorierten Steinfliesen innerhalb einer Tempelanlage. Ich blickte nach oben und sah die Sonne Tellurs über mir leuchten. Unglaubliches Heimweh schnürte mir die Kehle zu. Doch schon wieder erklang dieses Gelächter. Und dann materialisierten sie vor uns. Sie ! Das waren drei große, scheinbar identische, reptilienhafte Wesen, die ihre aufrecht stehenden Körper in leuchtend rote Tuniken gewickelt hatten. Im Bruchteil einer Sekunde waren Khalid und seine drei Krieger neben mir und verharrten an meiner Seite. Wieder Gelächter ! »Falls ihr es noch nicht bemerkt habt. Die Luft hier ist für euch atembar. Nehmt ruhig eure putzigen Kopfbedeckungen ab. Es wird euch hier nichts geschehen !« Scheinbar hatte das Mittlere der drei Wesen gesprochen. Jedenfalls bewegte sich der Mund oder besser Rachen dieser Kreatur zu den Worten. »Kobra !«, durchfuhr es mich. In der Tat erinnerten die Köpfe dieser Wesen an diese irdische Schlange aufgerichtet und mit einem mächtigen Nackenschild. Und wie bei der Schlange züngelte zwischen den Lauten, die das Wesen von sich gab, eine, allerdings zweifach, gespaltene Zunge aus seinem Rachen hervor. Talli hatte inzwischen als Erste den Helm ihrer Montur geöffnet und zurück in das Nackenfutteral gleiten lassen. Wir folgten ihrem Beispiel. Ich konzentrierte mich weiter auf meine drei Gegenüber. Das Mittlere der Reptilienwesen glitt etwas auf uns zu und ich bezwang den unwillkürlichen Wunsch zurückzuweichen. »Tapfer, tapfer unser Schlüsselträger und die Sterbenden um ihn herum !« Kopf und Oberkörper der Kreatur schwangen wie bei einer zum Zustoßen bereiten Schlange ständig leicht hin und her. Ich nahm noch wahr, dass diese Wesen sich im Verhältnis zu ihrer Körpergröße von über drei Metern auf zwei winzigen Füßen und den Gliedersegmenten eines kurzen Schwanzes vorwärts bewegten. Dann fesselte mich wieder der Kopf dieses Wesens. Aus dem grüngelb geschuppten Reptiliengesicht blickten mich zwei große bernsteinfarbene, irislose Augen an. Hier hörte also der Vergleich zu den irdischen Reptilien auf. ...

Fantastische Technologien!

... Der Ortungsalarm raste durch alle Schiffe und die Sensoren lieferten Daten. Doch die brauchte ich nicht um das Unglaubliche zu erkennen, das da vor uns lag. Wir befanden uns im materie- und energiereichsten Gebiet der Galaxie. Einige Sonnen standen sich so nahe, dass sie sich quasi berührten. Und nun das ! Vor uns lag eine kugelförmige Zone mit einem Durchmesser von etwa drei Lichtjahren wie ich später sah. Und in dieser Zone befanden sich keine Sonnen, keine schwarzen Löcher, keine Energiewirbel und die Materiedichte war so gering, wie wahrscheinlich sonst nur noch im Raum zwischen den Galaxien. Doch im Zentrum dieser Zone schwebte etwas Gigantisches. Nun doch die Sensorendaten zu Rate ziehend, erkannte ich eine blitzende Kugel mit einem Durchmesser von etwa fünfhunderttausend Kilometern. Die Aufnahmegeräte der Sternenbestie zoomten heran und wir sahen, dass die gigantische Kugel mit einer spiegelnden Oberfläche versehen war. Diese warf funkelnd das Licht der Millionen uns umgebenden Sonnen zurück. Die Kugel selbst befand sich in einer Wolke nadelförmiger Objekte mit der gleichen spiegelnden Oberfläche und einer Länge von jeweils knapp einem Kilometer bei einem Durchmesser von maximal fünfzig Metern. Nach Tallis Hochrechnung der Abtastdaten musste es sich um mehrere Hunderttausende davon handeln. ...

... »Das ist etwas, was eine meiner unzähligen eigenen Robotersonden vor etwa einem halben irdischen Jahr entdeckte. Ich ließ einige Tausende dieser Sonden anfertigen und ausschwärmen, um eigene Kenntnisse über Gebiete im All zu gewinnen, die mich interessierten. Inzwischen weiß ich fast alles über dieses Gebilde. Es ist die viele Millionen Jahre alte Hinterlassenschaft einer vermutlich längst ausgestorbenen Rasse. Es ist eine Sphäre eine Kugelschale so groß wie ein ganzes Sonnensystem. Und in ihrem Inneren... !« Hier hielt die KI inne und wir, die wir mit angehaltenem Atem zuhörten, stöhnten alle mehr oder minder entsetzt auf, als wir Strukturen auf der nun wie eine gerade Wand vor uns aufragenden Kugelhülle zu entdecken begannen. Denn dies bedeutete, dass wir uns der Wand bereits viel zu weit und in einem viel zu steilen Winkel genähert hatten. Das Schiff würde niemals rechtzeitig abbremsen oder jetzt noch in einen Abfangkurs übergehen können. Und die Triebwerke arbeiteten immer noch ! »Und in ihrem Inneren...«, fuhr die KI fort. Ein riesiges Schott, gleich einem Hangarschott, glitt quälend langsam vor dem heranrasenden Schiff auf. Das Leuchten einer einzelnen Sonne empfing uns. »In ihrem Inneren befindet sich eine ganze Welt. So groß wie ein Sonnensystem !« Die Sternenbestie schoss durch das riesige Schott hindurch. Mit einer Geschwindigkeit von fast einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit durcheilte das Schiff einen sicherlich mehrere tausend Kilometer langen Schacht und flog dem Leuchten des einzelnen Sternes entgegen. Dann waren wir durch und die Bestie bremste ab. Wir aber reckten die Hälse, zunächst zu der Sonne in dieser gigantischen Hohlwelt und dann während das Schiff sich mit seiner Oberseite langsam der Innenseite der Kugelschale entgegen zu drehen begann zu dieser hinüber. »Eine Landschaft !«, hauchte Mei Ling. ...

Humor!

... Wenn dann der »Schiffssmutje« auch noch so ein Original wie der Typ in der Offiziersmesse war, dann war die Einnahme einer Mahlzeit fast immer mit einer kleinen Showeinlage verbunden. Ich gab meine Bestellung auf und während die Mahlzeit vor mir aus der Lieferöffnung der Tischplatte ausfuhr, beschwerte sich Nick, so hieß der diensthabende Küchenmeister, doch tatsächlich lauthals und in Form eines etwa dreißig Zentimeter hohen, neben meinem Tablett auftauchenden Hologramms über die geringe Wertschätzung, die die Crew seinen kulinarischen Schöpfungen angedeihen ließ. Nachdem ich ihm versichert hatte, dass ich mich persönlich gern und jederzeit seinen Kochkünsten auslieferte, verzog er triumphierend grinsend das Gesicht und das Hologramm verschwand, so dass ich mich nun ungestört meiner Mahlzeit widmen konnte. ...

... Ich war wieder einmal in meinem bequemen Kommandosessel eingeschlafen. Das intelligente Sitzmöbel bemerkte, wenn sein Benutzer entschlummerte. Je nach Voreinstellung weckte es denjenigen dann oder verformte sich körpergerecht für einen optimalen Schlaf. Ich konnte mich jedoch deutlich daran erinnern, dass ich zuletzt die Weckschaltung aktiviert hatte. Stirnrunzelnd sah ich wieder zu Nancy hinüber. Diese bemerkte den Blick und lächelte weiter vor sich hin, während sie ohne von den Displays aufzublicken an mich gewandt verlauten ließ: »Nachdem das Weckgepiepe die vorige Schicht einige Male fast wahnsinnig gemacht hat, habe ich mir erlaubt, für Ruhe in der Kommandozentrale zu sorgen.« Ich vermutete, dass sich mein Teint bei ihren Worten arg ins Dunkelgrüne verfärbte und murmelte etwas von »bemutterungssüchtigen Menschenfrauen« vor mich hin. ...

... Es war Talli ! Aber nicht etwa die allbekannte, holografische Projektion der KI, sondern eine bildhübsche, grünhäutige Tellurierin, scheinbar aus Fleisch und Blut. Während mir fast der Unterkiefer herunterklappte, sah ich, wie überrascht auch Jai und die anderen waren. Talli, die körperhafte Talli, lächelte spöttisch und sagte: »Dies ist mein erster Avatar. Die KI und ich sind eins. Folgt mir !« Sprachs und glitt behände durch die Luke des Mannschaftsgleiters in dessen Inneres. Während Jai, ich und die anderen männlichen Teilnehmer dieses Trips ihr noch staunend bis fasziniert hinterher schauten, kletterten Mei Ling und Nancy bereits Talli hinterher. Mei Ling konnte sich einer spöttischen Bemerkung natürlich nicht enthalten: »Männer und ihre Hormone. Ein echtes Handicap !« Worauf Nancy noch eins draufsetzten musste: »Der Pheromonexpress wartet nicht. Einsteigen, Herrschaften. Worauf wartet ihr ?« Jai und ich schauten uns daraufhin verzweifelt an. Der Tellurier zuckte mit den Schultern, dann nahmen auch wir unsere Plätze in dem Gleiter ein. ...

Freundschaft!

... »Dann ist es abgemacht !«, kam es von Jack, »wir begleiten die Sternenbestie mit unseren Schiffen und geben ihr Deckung.« Ich grinste schon einen Augenblick lang vor mich hin. Diese hinterhältigen kleinen Tscharyds. Erst päppelte man sie groß und dann wurde man sie nicht wieder los. Aber ich war durchaus froh darüber, mit etwas mehr Rückhalt ins Unbekannte aufbrechen zu können. Schließlich wurde mir richtig warm ums Herz, als ich in die Gesichter meiner drei Freunde sah. Ja, Freunde ! ...

... Jack lächelte ein wenig spöttisch, wie es mir schien, als er für alle antwortete: »Du scheinst es immer noch nicht so ganz zu kapieren, wie ? Wir, die Menschheit, wir schulden dir praktisch alles. Und als wir auf die ominösen Hinweise des Abgesandten hin aufbrachen um dir beizustehen, da schloss dies auch die Möglichkeit ein, dass wir nicht zurückkehren könnten. Wir werden jetzt hier nicht umkehren, nur weil wir bedroht werden.« Jack grinste jetzt schon beinah schadenfroh, als er wie alle anderen bemerkte, wie mir ganz heiß wurde und meine Hautfarbe mal wieder ins Dunkelgrün wechselte. Dann bekräftigte er: »Wir folgen dir bis in die Hölle und auch darüber hinaus.« Mir wurde daraufhin noch ein wenig wärmer und ich realisierte in diesem Augenblick, dass ich nicht nur Freunde in den Weiten des Alls gefunden hatte, sondern eine zweite Heimat. ...

Raumschlachten!

... Mein Blick flog zu der Belastungsanzeige unseres letzten, noch verbliebenen Schutzschirms und entdeckte, dass diese auf siebenundneunzig Prozent hochgeschnellt war, und danach weiter zum Hauptbildschirm, der jetzt wiedergab wie die nadelförmigen Schiffe einfach von innen durch die Schutzwand um den Behüter herum hindurchglitten. Einige wenige sah ich im konzentrierten Feuer der Schwarzen explodieren. Doch hatten diese Schiffe erst einmal den kurzen Durchdringungsprozess im großen Schutzschirm abgeschlossen, dann schossen sie mit unglaublicher Beschleunigung davon und auf einzelne der dunklen Sphären der Schwarzen zu. Ich bemerkte, wie aus den Spitzen der nadelförmigen Objekte Energieblitze zu den dunklen Sphären hinüberschnellten, diese jedoch scheinbar nicht ernsthaft in Bedrängnis brachten. Da änderten die Verteidiger des Behüters ihre Taktik und stürzten sich kamikazeartig auf die Sphären der Schwarzen. Das war der Moment, in welchem das größte Blitzgewitter losbrach, das ich jemals gesehen hatte. Die Aufnahmesysteme der First Contact verfolgten den Flug eines einzelnen der nadelförmigen Objekte. Man konnte in der in Zeitlupe abgespielten Aufnahme erkennen, wie es geschossgleich in die eine Seite einer kleineren der dunklen Sphären eindrang, auf der anderen Seite wieder aus dieser hervorstach und sofort den nächsten Angreifer ansteuerte. Dies war eine der größeren Sphären der Schwarzen. Hier und bei einer dritten, wieder kleineren, dunklen Sphäre ereignete sich das gleiche Schauspiel. Kurz nach Austritt des nadelförmigen Objektes gab es den typischen Doppelblitz. Nur, dass das Produkt des Behüters beim dritten Mal nicht wieder zum Vorschein kam, sondern scheinbar mit diesem in einem Doppelblitz verging. So zuckte und blitzte es etwa zwei weitere Minuten um uns und um die Schutzsphäre des Behüters herum. Dann war der Spuk vorbei. Nicht eine der dunklen Sphären der Schwarzen war noch auszumachen. ...

... Während unsere Pilotinnen virtuos die Verfolgung einer vorbeigleitenden normalgroßen dunklen Sphäre aufnahmen, setzten die Waffenoffiziere umgehend das gesamte Arsenal des Schiffes ein. Die Raumblaster spieen ihre breiten und andauernden Vernichtungsstrahlen unserem Ziel entgegen. Die Impulskanonen unterstützen das Vernichtungswerk mit einem Stakkato Ihrer Energiepulse während die Desintegratoren, dem Feind ihre grünen, irrlichternden Strahlenbahnen entgegenschickten. Die Sphäre der Schwarzen ging auf einen unregelmäßigen Ausweichkurs und versuchte sich so unseren Angriffsenergien zu entziehen. Doch die Pilotinnen und Waffenoffiziere behielten sie im Ziel. Als schließlich etliche abgefeuerte Raumtorpedos in die bereits erheblich aufgeblähte Hülle des Gegners einschlugen, war es um diesen geschehen. Ein Doppelblitz und die schwarze Sphäre war nicht mehr vorhanden ! Doch kaum hatten wir diesen Erfolg verzeichnet und wollten uns dem nächsten Gegner zuwenden, da wurden wir selbst zu Gejagten. Ausgerechnet eine der beiden schwarzen Supersphären hatte sich die First Contact als lohnendes Ziel ausgesucht und griff an. Der erste Schlag der Waffen dieses Raummonsters fegte, obwohl er uns nur gestreift hatte, die äußeren Schutzschirme davon und belastete den letzten inneren Schirm auf annähernd hundert Prozent. Unser letzter Verteidigungsschirm stand vor dem Zusammenbruch und wir hatten noch nicht einmal einen Volltreffer erhalten. Haken schlagend und mit am Limit arbeitenden Antriebsaggregaten entkam das Schiff der Supersphäre vorerst. Doch diese ließ nicht locker ! ...

... Das war der Moment, in dem die ersten Torpedos und Raketen der zweiten Angriffswelle in die riesige Übersphäre einschlugen. Dann erzitterte meine First Contact wie alle übrigen Schiffe unserer Flotte unter den Abschüssen ihrer schweren Waffen. Schließlich brannten sich die sonnenhellen Strahlen der schiffsgestützten Ultimumstrahler in die sich aufblähende Hülle der Übersphäre. Zeitgleich schlugen die mächtigen Energieentladungen von vier überschweren Sonnenlanzen ein und pumpten die Hülle der Übersphäre auf einen nie für möglich gehaltenen Umfang auf. Und doch verabschiedete sich dieses elende Monstrum noch immer nicht auf die bekannte Art und Weise. Da fielen Jais Speere der Trei angh Schin von allen Seiten über die aufgeblähte Hülle der Übersphäre her. In Sekundenbruchteilen drangen fünfundsechzig der schlanken Schiffe in den Leib des Monsters ein. Im nächsten Augenblick spaltete ein riesiger Doppelblitz aus Licht und Dunkelheit den Raum und von dem bedrohlichen Ungetüm aus reiner Finsternis war nichts mehr zu sehen. ...

... In der nächsten Sekunde begannen die Kugeln sich schnell und immer schneller über zwei Achsen zu drehen. Mit den abgespreizten Tentakeln hatten diese Gebilde jetzt etwa einen Durchmesser von tausendfünfhundert Metern und wirbelten mit immer noch steigender Beschleunigung um die zwei Drehachsen. Von einem der Mitglieder der Zentralcrew kam ein atemloses: »Tanzende Derwische !« Ich konnte diese Bezeichnung im Augenblick nicht zuordnen. Aber ich nahm an, dass diese Konstruktionen damit erst einmal ihren Namen bei den Menschen weg hatten. Doch das Schauspiel ging unterdessen weiter. Es begannen sich violette Blitze zwischen den Tentakelenden zu entladen und die drei tobenden Gebilde setzten sich in Bewegung. In Richtung auf die Flotte der Menions zu, wie sicher nicht nur ich aufatmend beobachtete ! Die um die zwei Achsen wirbelnden Konstruktionen hatten inzwischen ein derart irrwitziges Drehtempo erreicht, dass ihre Erscheinungen vom Auge nur noch verwaschen wahrzunehmen waren. Dann geschah es ! Während es in der Flotte der Menions zu panikartigen Fluchtbewegungen kam, sprangen die drei Gebilde förmlich auf die herandrängenden Schiffe zu. Sie wirbelten schließlich durch die Flotte der Menions wie Derwische ? Nein, eher wie Kreissägen, die Schutzschirme halfen den Schiffen der Menions überhaupt nicht gegen diese wirbelnde, mechanische Zerstörungskraft. Die drei Gebilde schlugen regelrechte Schneisen in die Armada, der wir gegenüberstanden. Zurück ließen sie zerschlagene, brennende, zerberstende und explodierende Pyramidenraumer. Während wir alle fassungslos zuschauten, wüteten die fremden Gebilde fast zehn Minuten lang unter den Menions, dann waren sie plötzlich verschwunden ! ...

Liebe!

... Gerade wollte ich erfreut antworten da blendete sich auf einem anderen Bildschirm das Abbild eines weiteren, diesmal mir aber unbekannten Wesens ein. Es schien eine humanoide Frau zu sein, die mir dort mit funkelnden Augen und in eine martialisch wirkende Rüstung gekleidet, entgegenblickte. Sie hatte eine blassviolette Hautfarbe, rote Augen und tiefschwarzes, langes Haar. Dieses quoll unter einem helmartigen Gebilde hervor, fiel ihr mähnenartig über die Schultern und reichte bis tief in den Rücken. Diese Details nahm ich in Sekundenbruchteilen wahr, als eine wütende, verbale Attacke über mich hereinbrach. »Mein Name ist Eitara vom Clan Emulan der Volan. Ich fordere jeden zum Zweikampf, der es wagt auch nur anzudeuten, die Volan würden mit den Menions, wie ihr sie nennt, gemeinsame Sache machen. Diese räudigen »Skipahs« sind plündernd und mordend über mehrere Außenposten unseres Reiches hergefallen. Wo auch immer wir sie antreffen, werden wir sie angreifen und vernichten. Niemand wird uns daran hindern !« ...

... Diese spezielle Volan jedoch saß scheinbar unerschütterlich auf einem thronartigen, reich verzierten Kommandositz und wandte jetzt gerade ihren Kopf dem Aufzeichnungssystem entgegen. Zwei wahrlich flammende Augen blickten mir entgegen, als die Volan sprach: »Was wollt ihr ? Seht ihr denn nicht, dass wir beschäftigt sind ?« Und mit einem kaum hörbaren Zittern in der Stimme: »Es könnte sich zutragen, dass ich zu unserem vereinbarten Duell nicht mehr erscheinen kann. Dafür entschuldige ich mich bei euch Jairoum tan Lock. Doch ich denke, ihr werdet mir diesen Affront angesichts der Umstände nachsehen !« Ich ertappte mich dabei, wie ich das etwas zerzaust aussehende, schwarze Haar der Volan bewunderte, wie es lang über ihre Schultern und ihren Rücken wallte. Doch ich besann mich sofort und antwortete der fremden Frau umgehend: ...

... Atemberaubend für mich war der Anblick des Wesens, welches jetzt geradezu majestätisch aus dem Schiff herausschritt. Eitara ! Aber wie hatte sie sich verändert gegenüber dem Abbild auf den Bildschirmen, das ich von ihr kannte. Statt Harnisch und darunterliegender, Bordkombination trug die Volan jetzt eine Art Zeremoniengewandt, das aus in den Farben Gold, Orange und Grün schillernden Stoff- oder Metallstreifen zu bestehen schien. Es wurde durch einen schmalen Gürtel um die Hüfte gehalten, der seinerseits aus miteinander verwobenen Edelsteinketten bestand, so fielen die schillernden Streifen in lockerer Form knapp knöchellang an ihr hinab. Bei jedem Schritt durchteilten die wie ihr gesamter Körper blassviolett gefärbten, langen Beine diese Streifen. Ihre Füße steckten in hautfarbenen Stiefeletten, die über den Knöcheln mit ihren Beinen zu verschmelzen schienen. Die gleichen schillernden Streifen, von einem Ring aus Edelsteinen um den Hals gehalten, fielen ihr über Schultern und Brüste bis knapp zur Hüfte hinab und ließen dabei ihre Arme und einen schmalen Bereich oberhalb des Hüftgürtels frei. Dies gab den Blick frei auf ihren breitgezogenen Bauchnabel mehr eine zierliche Hautfalte welche ebenfalls mit Edelsteinen verziert war. Die hochgesteckten, tiefschwarzen Haare fielen ihr in kunstvolle Form gebracht und von goldenen Bändern gehalten voluminös den Rücken hinab. Das zeremonielle Schwert eher ein zierlicher Degen an ihrer linken Hüfte, die reich verzierten, aber scheinbar auch funktionellen Armreife sowie die schweren Ohrgehänge, an ihren nach oben spitz zulaufenden Ohren, nahm ich nur noch am Rande wahr. Ich wurde völlig von ihrem strahlenden Antlitz in den Bann gezogen. Diese fast katzenhaften Züge ! Diese Wangenknochen ! Diese weißen Augen mit der bernsteinfarbenen Iris darin ! ...

... Nur die wenigen noch reinrassigen Volan konnten Nachkommen mit den Clanmitgliedern haben oder unter bestimmten Voraussetzungen auch mit den Angehörigen gentechnisch kompatibler Spezies. Die Mitglieder eines Clans wiederum konnten nur Nachkommen mit den Mitgliedern des eigenen Clans, den reinrassigen Volan oder Mitgliedern derjenigen Spezies, aus welcher sie hervorgegangen waren, haben. Das Rauschen in der Nasszelle hatte bereits vor einiger Zeit aufgehört. Die Clanbezeichnung Emulan wies auf die Zugehörigkeit zu jenen letzten reinrassigen Volan hin, die es noch gab. Ich nahm mit geschlossenen Augen fließende, geschmeidige Bewegungen im Zimmer wahr. Eitara war nicht nur die derzeitige Führerin der Gesamtheit der Volan. Ein weicher, warmer Körper glitt neben mich und eine gepfeilte Schwanzspitze liebkoste zärtlich mein linkes Ohr. Eitara war auch eine der wenigen Volan, die einen neuen Clan gründen konnten ! Zu der Schwanzspitze gesellten sich zwei vierfingrige Hände, die sich nicht mit meinen Ohren begnügen wollten. ...

... Bei Jacks letzten Worten zogen die in ihren weißen Monturen steckenden Ritter der Erde grüßend ihre Schwerter. Dann verblassten auch ihre Hologramme. Die Menschen um uns herum verließen langsam die Aussichtskuppel und schließlich standen Eitara und ich allein unter dem Sternenmeer. Wir verfolgten noch, wie die sechs überschweren Kreuzer der Ritter der Erde den Orbit um New Eden verließen und schließlich in den Hyperraum eintraten. Dann löste ich mich ein wenig von Eitara, hielt die Volan mit beiden Händen an den Schultern auf Armlänge von mir entfernt und blickte ihr in die rosa schimmernden Augen: »Und nun Liebste wird es auch für uns Zeit aufzubrechen. Bist du immer noch entschlossen mich mit deinem Schiff zum Behüter zu begleiten ?« Die Volan legte nun ihrerseits die Hände auf meine Schultern und übte dabei nicht unerheblichen Druck aus: »Natürlich ! Diese weitere unglaubliche Konstruktion möchte ich mit eigenen Augen sehen. Und schließlich bist auch du doch noch entschlossen, mir danach ins Reich der Volan zu folgen, welches ich dir in all seiner Pracht zu zeigen beabsichtige ? !« Ich zog meine Freundin wieder an mich und flüsterte: »So sei es !« Dann zog ich aus einer Tasche meiner Bordkombination eine Kette mit einem violetten Kristall heraus. Ich legte Eitara die Kette um den Hals und streichelte ihr über die Wange. Die Volan sah mich mit großen Augen an, fragte aber nichts. Ich würde es ihr später erklären. Schließlich verließen wir langsam und engumschlungen die Aussichtskuppel. Bereit, uns allen auf uns zukommenden Herausforderungen gemeinsam zu stellen. Und wie das bei Liebenden so ist, fühlten wir uns stark und unüberwindlich ! ...

Und noch viel, viel mehr...!